Wenn deine Kreativität mal wieder bockig ist: Zeig ihr, wo es lang geht!

Acrylbild Elisa Groka Cartoon, Kamel, Wüste

Das Kamel auf dem Bild ist störrisch und der kleine dicke Kalif zieht dran – kurz: Der Streik

Kennst du das auch? Du hast den Kopf voller Ideen, die du unbedingt mal umsetzen willst. Eigentlich möchtest du schon lange den alten Schrank mit einem tollen Anstrich aufpeppen, die Gitarre mal wieder auspacken und üben oder ein farbenfrohes Bild für den tristen Flur malen. Eigentlich. Aber da ist dieses böse Wort. Eigentlich …

Manche von uns wollen schon seit zwanzig Jahren ihren Roman schreiben, reden aber schon gar nicht mehr darüber, weil die Frage „Was macht denn dein Roman, schreibst du noch?“ jedes Jahr unangenehmer klingt. Andere kaufen sich immer wieder diese wunderschönen Malsets in edlen Holzkoffern und verstauen sie dann nach einer halben Skizze verschämt unten im Schrank – bei den anderen Malsets. Wir würden unsere Ideen ja so gern mal umsetzen, tun es aber dann irgendwie doch nicht. Und jedes Mal, wenn wir etwas nicht tun, wird die Hürde größer, endlich Ideen in die Tat umzusetzen. Dabei liegt es sicher nicht an mangelnder Kreativität. Aber woran dann?

Herr Doktor, meine Kreativität klemmt!

Es ist einfach, alles auf angeblich mangelnde Kreativität zu schieben, wenn wir einfach nicht aus dem Quark kommen und lieber am Fernseher rumschalten oder Solitär spielen, anstatt aktiv zu werden und selbst etwas zu erschaffen. Und ja, man kann es sicher auch auf „natürliche“ Trägheit schieben. Das Leben ist schon stressig genug, da muss man sich nicht auch noch damit unter Druck setzen, dass man kreativ werden sollte …

Grundsätzlich sind Pause, Entspannung und Muße immer gut, bin ich sofort dabei. Das Problem ist nur: Wir entspannen uns ja gar nicht, wenn wir unsere Ideen nicht rauslassen, wir lenken uns nur ab! Wir daddeln uns die Rübe dicht mit hektischen Pixeln, wir klicken endlos irgendwelche Links durch, um Nachrichten zu lesen, die uns gar nicht interessieren und die ganz Harten unter uns kommen auch auf so Ideen, wie die Geschirrtücher zu bügeln, um nicht an den Malkoffer im Schrank denken zu müssen.

Aber all das ist keine Entspannung! Kreativität dagegen ist Entspannung, und zwar aktive Entspannung, meiner Erfahrung nach die beste Sorte, die man haben kann. Denn wir Menschen sind eben so gemacht, dass wir gern etwas zu tun haben wollen, aber etwas sinnvolles, etwas schönes. Wir wollen entdecken, ausprobieren, tüfteln, erfinden, erschaffen, neue Kompetenzen entdecken und entwickeln, um nicht hinter unserem Potenzial zurück zu bleiben.

Wenn wir diesen Urtrieb nicht hätten, würden wir heute noch bibbernd und mit knurrendem Magen in Höhlen sitzen und frustriert darüber nachgrübeln, wie grandios es wäre, wenn wir Feuer selber machen könnten. Aber, ach, geht ja nicht, nee, ist zu schwierig, irgendwie ist mir auch zu kalt, um es rauszufinden, ich bleib besser mal hier sitzen. Schade, dass ich armer Höhlenmensch kein Facebook hab, das würde mich jetzt so schön ablenken …

Haben wir ein Glück, dass unsere kreativen Vorgänger die Feuersteine und das vielleicht noch unausgegorene eirige Rad nicht zu den Malkästen in den Schrank geräumt haben! Stattdessen haben sie ihrer Kreativität freien Lauf gelassen bis zum glücklichen Flow und dabei ganz nebenbei immer neue, tolle Dinge erschaffen. Wenn du selbst diesen Flow schon einmal (oder sogar öfter) erlebt hast, weißt du, worum es bei deiner Kreativität geht: Völliges bei dir selbst sein und aktiv entspannen. Einfach machen. Ganz aufgehen in einer Sache. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl. Aber wieso ist es verdammt nochmal so schwierig, damit anzufangen?

Die bösen Gegenspieler: Perfektionismus, Prokrastination und Günther

Unsere aktive Kreativität wird von drei übergewichtigen, haarigen Monstern in Schach gehalten. Da ist zum Beispiel dieser fiese Perfektionismus. Wenn du ihn im Verdacht hast, ein Kreativitätshemmer zu sein, frag dich einfach, ob du vielleicht deinen Roman nicht schreibst oder deine Bilder nicht malst, weil du immer wieder denkst „Es gibt ja schon unzählige großartige Bücher, die viel besser sind als alles, was ich je schreiben könnte!“ oder „So gut wie meine Vorbilder werde ich sowieso nie malen können … „. Kehren wir die Frage jetzt mal um. Wenn alle Kulturschaffenden, die uns ihre Werke geschenkt haben, nie angefangen hätten, weil es ja immer schon einen gab, der besser war, wo wären wir dann jetzt?

Wenn Chopin gar nicht erst ans Klavier gegangen wäre, weil Franz Liszt der begnadetste Pianist seiner Generation war, wäre ihm und uns einiges entgangen. Franz war schneller an den Tasten, hatte vielleicht die bessere Technik und erwiesenermaßen eine größere Spannweite, er hatte nur einen Haken: Er war nicht Chopin. Du verstehst, was ich meine? Deine ganz persönliche Kreativität kannst nur du erschaffen. Also versuche, dich nicht zu vergleichen oder perfekt zu sein. Schon gar nicht „perfekter“ als andere. Spätestens hier beißt die Schlange sich selbst in den Schwanz und zeigt uns, was Selbstsabotage heißt!

Der zweite böse Gegenspieler ist die Prokrastination, auch „Aufschieberitis“ genannt. Dabei handelt es sich um eine „Erledigungsblockade“, die uns dazu bringt, immer wieder alles auf später zu verschieben. Es ist aber damit nicht vergessen, sondern eben verschoben, was bedeutet, dass es immer und immer und immer in unserem Bewusstsein rumklötert und scheppert und stört und uns nicht zur Ruhe kommen lässt. Wir verbringen viel weniger Zeit damit, Dinge zu bereuen, die wir tatsächlich getan haben, als damit, Dinge zu bereuen, die wir nicht getan haben. Der böse Widerhaken der Prokrastination besteht darin, dass sie uns bei jeder aufgeschobenen Sache noch eine Schüppe auf die Sondermüllhalde der Psyche packt: Looooser! Du machst aber auch nie irgendwas fertig! Jaja, immer nur morgen, morgen, das kennt man ja von dir.

Das zerstört auf Dauer unser Selbstvertrauen und führt uns direkt zu Günther. Günther habe ich jetzt einfach mal den Teil unserer Persönlichkeit genannt, der gern unsere Bedürfnisse befriedigt. Das Bedürfnis nach sinnerfüllter Tätigkeit, nach Spaß, nach Gemeinschaft, nach Entspannung, Lebensfreude und Entfaltung. Günther ist eigentlich einer von den Guten! Aber er führt sich auf wie ein bockiges Kind! Nur, weil du ihm zehnmal versprochen hast, mit ihm einen Drachen zu bauen und zu der großen Wiese zu gehen, um ihn steigen zu lassen. Der soll sich mal nicht so anstellen. So wichtig ist das mit dem Drachen ja nicht. Es gibt schließlich genug anderes zu tun, Günther soll dich mal nicht nerven, irgendwann machen wir das schon noch. Das Spielchen treibst du so lange, bis Günther heulend in sein Zimmer rennt und die Tür zuknallt. Vorher schreit er aber noch: „Aber du hast es versprochen! Dir glaub ich NIX mehr!“ Und deine Kreativität – die nimmt er mit. Und schließt sich mit ihr ein. Und schmollt.

Kreativität ist wie ein Muskel: Je mehr du sie trainierst, umso stärker wird sie!

Spätestens, wenn Günther dir die Tür vor der Nase zuknallt, hast du es zu weit getrieben. Du willst deinen Günther wieder haben, und du kannst die dicke Luft im Streit mit dir selbst gar nicht gut aushalten! Wolltest du dich nicht eigentlich entspannen, dir was Gutes tun und kreativ werden? Stattdessen bist du unzufrieden mit dir selbst, nörgelst rum und lässt es an deinem Partner, deinen Kollegen oder einer langsamen Oma in der Kassenschlange aus. Willst du so sein? Nö.

Also! Dein kreatives Potenzial ist eine Form von Energie. So wie Wasserdampf in einer Dampflok. Wenn du sie bewusst in die richtigen Bahnen lenkst, geht sie ab wie ein Stück flutschige Seife in der Badewanne und nimmt dich mit auf eine spannende Entdeckungsreise. Wenn du sie unterdrückst und ständig auf später verschiebst, explodiert irgendwann der Kessel. Es kostet wahnsinnig viel Energie, das eigene Potenzial immer wieder zu unterdrücken, nur, weil man es vielleicht nicht perfekt zum Ausdruck bringen kann. Denn seinen Ausdruck findet es erst dadurch, dass du es tust. Und dazu brauchen wir manchmal – so doof das klingt – Selbstdisziplin.

Ja, aber … kreativ sein soll doch Spaaaaß machen! Selbstdisziplin klingt so, wie meine Lateinlehrerin aussah. Verhärmt, verbittert und zäh wie ein Minutensteak nach einer halben Stunde in der Pfanne. Aber die Disziplin ist viel besser als ihr Ruf – um genau zu sein, sie ist die Brücke, die dich rüber bringt auf die grünere Seite der Wiese, wo du vor Ideen nicht nur sprudelst, sondern auch handelst, anstatt nur zu denken.

Und so viel Disziplin musst du auch gar nicht aufbringen. Oft geht es nur um den einen einzigen Schritt, um mit etwas anzufangen, was schon lange als Plan in deinem Kopf herumkullert und schon lange endlich sein Eigenleben entwickeln will – denn das tun kreative Werke immer, sobald sie zur Welt kommen. Das Bild, das du malen wolltest, sah in deinem Kopf ganz anders aus, aber ist es nicht abenteuerlich und überraschend, wie es sich entwickelt, wenn du es wirklich malst? Und kommen dir nicht, wenn du dich endlich mal auf den Hintern setzt und wirklich schreibst, anstatt an deinem Roman nur im Kopf zu feilen, völlig neue Ideen? Wenn du mit deiner Kamera los läufst, entdeckst du dann nicht plötzlich überall einzigartige Motive, die du von deinem Sessel aus nie gesehen hättest?

Der Schritt ins kreative Tun ist oft ein ganz winziger. Stifte und Papier bereitlegen und loslegen. Aus dem Supermarkt einfach mal bunte Knete mitbringen und lustige Jahreszeitendeko modellieren. Blumen pflanzen. Reime finden auf Wörter, die du magst. Oder wann hast du das letztemal mit Kindern gespielt? Kinder sind wahre Meister der darstellenden Künste! Sie brauchen keine Kostüme und kein Reklamheft, um in Rollen zu schlüpfen und spannende Dramen aufzuführen. Sie tun es einfach, weil sie es können. Und genau so sollten wir vernünftigen Erwachsenen uns auch darin üben, wieder spontan und regelmäßig kreativ zu sein – einfach, weil wir es können.

Und je öfter wir diesen „Muskel“ gebrauchen, umso stärker wird er, umso leichter fällt es uns, in den „Flow-Modus“ zu gehen, uns selbst zu überraschen und total vom Alltag abzuschalten. Und diesen wunderbaren „kindlichen“ Zustand erreichen wir ganz einfach dadurch, dass wir uns bewusst dafür entscheiden, einfach mal anzufangen. Sobald wir den Stift in der Hand haben oder die Gitarre auf dem Schoß, kommt die Kreativität von ganz allein. Und dann kommt auch Günther irgendwann wieder aus seinem Schmollwinkel und setzt sich grinsend zu uns. Hast du schon eine spezielle Methode entwickelt, um deinen Günther anzulocken?

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Wie du mit Reizwörtern kreative Blockaden auflöst

Karikatur Frau Schmittenköttler Elisa Groka Kohlezeichnung

Frau Schmittenköttler wartet auf den Kuss der Muse – was für ein Frust!

Liebe Kreativbande!

Kennt ihr das auch? Es wäre der perfekte Tag, um künstlerisch aktiv zu werden. „Man“ könnte heute so ein schönes Bild malen, oder eine spannende Geschichte schreiben, mit dem Grafikprogramm spielen oder dem Ton im Materialschrank modellieren, aber irgendwie … Ja, irgendwie fehlt die Idee, um den richtigen Schwung zu entwickeln und einfach loszulegen. Dabei weißt du genau, wie gut es dir tun würde, mal wieder aus dem Alltagsstress auszusteigen, alles andere zu vergessen und im totalen Flow etwas einzigartiges zu erschaffen. Aber der Kuss der Muse will einfach nicht kommen. Was kann man also tun, um die Muse anzulocken?

Musen sind sehr empfindsame Wesen, die sich ungern aufdrängen. Wenn sie das Gefühl haben, dass jemand sich nicht ganz sicher ist, ob er geküsst und inspiriert werden will, lassen sie sich lieber nicht blicken und schenken die Inspiration lieber jemand anderem, der mit Freude etwas daraus machen wird. Denn kreative Ideen sind kostbar und sollen auch ins Leben geholt werden. Wenn die Inspiration also einfach nicht kommen will, müssen wir den Musen zeigen, dass wir es ernst meinen und wirklich kreativ werden wollen. Ein unwiderstehlicher Köder für die zarte Inspiration sind Reizwörter, mit denen du ganz leicht arbeiten kannst, um den Flow herbei zu zaubern.

Was sind Reizwörter und wie funktionieren sie?

Ich gebe zu, für manche Menschen ist schon das Wort „Reizwort“ ein Reizwort. Vielleicht hast du selbst oder mit deinen Kindern die Erfahrung gemacht, dass das Schreiben von „Reizwortgeschichten“ in der Grundschule regelmäßig zu Tränen und schlechten Noten führte. Vielleicht verbindest du mit Reizwörtern auch ausschließlich Negatives. Es gibt schließlich Reizwörter, auf die viele Menschen aus Erfahrung geradezu allergisch reagieren, besonders, wenn sie in einer Kombination auftreten, die Gefühle auslöst. Schwiegermutter – Besuch – Kritik zum Beispiel ist für viele eine Wortkette, die unangenehme Assoziationen auslöst! Scheidungsanwalt – Sorgerecht – Schulden kann Menschen um den Schlaf bringen.

Wieso ich solche negativen Beispiele bringe? Ganz einfach: Sie verdeutlichen, dass Reizwörter in der Lage sind, alle rationalen Blockaden zu durchbrechen und uns direkt im Zentrum unserer Gefühle treffen. Und wo kommt die Kreativität her? Genau: aus dem Bauch! Um die Kreativität wach zu kitzeln und Ideen zu entwickeln, kannst du dir also die Macht der Reizwörter zunutze machen und deinem Bauch Input geben, mit dem er spielen kann, bis ein Kunstwerk wieder raus kommt!

Reizwörter können also durchaus positiv sein. Sehr positiv. Im Kreativcoaching werden sie eingesetzt, um neue Ideen, Kampagnen oder Produkte zu entwickeln. Jeder gute Verkäufer hat gelernt, positive Reizwörter konstruktiv zu nutzen, um beim Kunden angenehme Gefühle auszulösen. Es liegen Welten zwischen „Eigentlich könnte ich eventuell ein paar Schuhe auf Lager haben, die Ihnen gefallen würden, ich bin aber nicht sicher, ob ich sie holen sollte … “ und „Jetzt weiß ich, was Sie brauchen, ich hole es sofort!“ Der erste Satz weckt sofort Zweifel im Kunden, wenn der Verkäufer sich so unsicher ist, ist der Kunde es erst recht. Der zweite Satz strahlt Sicherheit und Selbstvertrauen aus. Selbstvertrauen und klare Worte sind übrigens auch ein wichtiger Schlüssel für Kreative, die ihre Arbeiten gern verkaufen möchten. Zweifeln kann man ja heimlich zu Hause! 😉

Worte setzen also immer kreative Denkprozesse in Gang. Wenn wir sie richtig einsetzen, um neue Ideen zu entwickeln, überraschen sie uns auf ungeahnte Weise. Dazu ist es allerdings wichtig, Reizwörter „von außen“ zu bekommen. Wenn du Wörter wählst, die du dir selbst ausgedacht hast, ist dein Gehirn schon in Vorleistung getreten und die frische Spontanität ist dahin. Du brauchst also für die Ideenfindung „unverbrauchte“ Wörter, die dein Denken dazu anregen, die gewohnten Hauptstraßen zu verlassen und die verwunschenen Trampelpfade deines Ideenzentrums zu erkunden.

Wo bekomme ich meine Reizwörter her?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Worte zu finden, die deine Fantasie anregen und zum Tanzen bringen. Dich auf drei Wörter zu beschränken, reicht vollkommen aus, um eine Bildidee oder eine Geschichte zu entwickeln. Drei ist auch eine gute Zahl, um deiner Kreativität frisches Futter für völlig neue Verknüpfungen zu geben. Denn unser Gehirn versucht immer, einen Sinn zu erkennen, und wenn der nicht da ist, wird er eben entwickelt! Wo zum Beispiel ist für dich persönlich der Zusammenhang zwischen Vase – Banane – Rasenmäher? Finde es raus!

Um deine drei Wörter zu finden, kannst du drei verschiedene Menschen bitten, dir jeweils ein Wort zu sagen. Wenn gerade niemand da ist, kannst du einen Spaziergang machen und die ersten drei Substantive aufschnappen, die du auf der Straße hörst. Du kannst auch an Schietwettertagen am Radio drehen und dir die ersten drei Wörter notieren, die du auf verschiedenen Sendern hörst. Du kannst mit geschlossenen Augen ein Buch aufschlagen und dreimal auf eine Seite tippen, um deine Wörter zu finden. Vielleicht setzt auch die Jagd nach Wörtern bei dir schon kreative Ideen in Gang?

Und was mache ich jetzt damit?

Ganz einfach: du spielst! Du bist völlig frei im Denken bei deinem ganz persönlichen Ideen-Spiel, schließlich musst du nicht deinen Chef beeindrucken, eine gute Note bekommen oder ein bahnbrechendes Produkt entwickeln, es geht dir allein darum, entspannt und mit Witz kreativ zu spielen und den Musen zu zeigen: Hey, Leute, ich bin bereit, ich mein es ernst! 😉

Und die Ideen werden kommen. Je mehr du dich entspannst und je spielerischer du mit deinen drei Wörtern umgehst und dich von deinem eigenen Anspruch, dass immer alles „zu etwas gut sein muss“ frei machst, umso leichter rutscht du in den Zustand der aktiven Entspannung, in dem die Ideen für kreative Projekte wie bunte Flummis durch die Gegend springen.

Wenn du jetzt noch einen letzten Schubs brauchst, um aktiv zu werden, kannst du hier eine Reizwortgeschichte von mir lesen, die nie entstanden wäre, wenn ich mir nicht die Zeit genommen hätte, um mit dieser großartigen Kreativtechnik zu spielen. Hast du auch „Reizwort-Produkte“, von denen du uns berichten möchstest, noch Fragen zu der Technik oder Anregungen für die Reizwortsuche? Dann nutz die Kommentarfunktion, ich freu mich drauf!

So entkräftigst du 7 böse Sätze, die deine Kreativität ausbremsen

Tai Chi Karikatur

Helmuts Tai Chi Lehrer hat ihm gesagt, dass er abnehmen muss und total ungelenkig sei. Erst war Helmut völlig niedergeschmettert. Er hatte sich doch zu dem Kurs angemeldet, um sich was Gutes zu tun! Dann hat er gedacht: Scheiss drauf! Jetzt genießt er seine Übungen nachts im Park. Und ist glücklich.

Liebe Leser,

hinter den Kulissen meines Blogs habe ich schon von einigen stillen Lesern gehört, dass sie ja auch gern mal beim Kreativen Freitag mitmachen würden, aber sie können leider nicht zeichnen. Sie sind eben nicht kreativ. Sie können sowas ja nicht. Außerdem sind die anderen Beiträge ja so gut, da sieht man dann ja doof aus, wenn man auch mal versucht, was zu malen … Ganz ehrlich? Wenn ich solche traurigen Äußerungen höre, möchte ich diese Menschen am liebsten einfach mal auf den Schoß nehmen, um sie zu trösten, und dann die Reset-Taste suchen. Denn jeder, wirklich jeder Mensch ist ein schöpferisches Wesen und könnte vor Kreativität sprudeln, wenn da diese bösen, alten Programmierungen nicht wären, die wir jetzt einfach mal gemeinsam aufdecken!

Viele Menschen widersprechen automatisch, wenn ich sage, dass jeder kreativ auf die Welt kommt. „Du vielleicht, ich ganz bestimmt nicht!“ Aber die Frage, was Kreativität eigentlich ist, stellen sich nur wenige, und wenn, dann sind es meistens Psychologen, die von Konzernen beauftragt werden, um herauszufinden, wie man kreative Mitarbeiter „herstellen“ kann. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden dann in „Psychologensprech“ übersetzt und darüber zu lesen ist so schwammig und langweilig, dass das Thema niemanden mehr interessiert – also so gar nicht kreativ.

Versuchen wir es also bei Wikipedia. „Kreativität ist allgemein die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, orginelles und beständiges Neues zu kreieren.“ Aha, und was bedeutet kreieren? Da muss ich jetzt lachen, denn der Duden klärt mich auf, dass „kreieren“ in der katholischen Kirche bedeutet, einen neuen Kardinal zu ernennen. Das ist witzig. „Hier, Kollege, zieh mal die rote Kutte an und setz den lustigen Hut auf!“Hm. Ich möchte natürlich keinem gläubigen Katholiken zu nahe treten, aber der Vatikan ist ja nicht unbedingt als Trendsetter bekannt, also schauen wir uns besser woanders nach Kreativität um. Mehr Aufschluss gibt uns der lateinische Ursprung des Wortes, denn kreieren bedeutet nichts anderes, als etwas zu erschaffen. In dem Moment, wo wir uns ein feines Butterbrot schmieren und mit Cocktailtomaten und einem Gürkchen ein Gesicht drauf setzen, sind wir schon kreativ. Denn damit erschaffen wir etwas neues und buntes, um mehr Freude in den Alltag zu bringen.

Wenn Kreativität so einfach ist, warum fällt sie dann gleichzeitig so schwer? Oder – um es deutlicher zu sagen – wieso fällt es uns so schwer, die eigene Kreativität zu erkennen und zu würdigen? Wieso sind wir so gehemmt darin, uns kreativ auszudrücken und uns damit dann auch noch zu zeigen? Weil wir alle mehr oder weniger oft negative Programmierungen gehört haben, die uns die Freude am Kreieren verdorben haben. Schauen wir uns jetzt die häufigsten Programmierungen einfach mal an!

Satz Nr.1: Du bist einfach nicht begabt!

Den Satz haben viele Menschen so oft gehört, dass sie ihn schon selbst nachplappern. „Ich bin ja völlig talentfrei, haha!“ Der Versuch, es mit Humor zu nehmen, ist natürlich schon mal ein Anfang, um Verletzungen von sich fern zu halten. Effektiver ist es aber, dich zu fragen, wer dir das überhaupt eingeredet hat, und warum. Es gibt Menschen, die ihre eigene Kreativität als etwas negatives und beängstigendes unterdrücken – denn wo kämen wir hin, wenn jeder hier fröhlich pfeifend ein Bild malt oder über die Straße tanzt. Da würde ja das Chaos ausbrechen! Diese Menschen äußern sich automatisch auch negativ über deine Kreativität.

Menschen, die selbst einen guten Kontakt zu ihrer eigenen Kreativität haben, würden dich niemals mit einer pauschalen Diagnose als unbegabt abtun. Wer seine eigene Kreativität liebt, entdeckt sie immer auch im Tun anderer und weiß Ideen neidlos zu würdigen. Und wer technisch schon versierter ist als du, kann dir konstruktive Kritik geben und dich damit helfend unterstützen, falls du deine Fähigkeiten verbessern willst. Aber wer dich schlecht macht und dein Selbstvertrauen knickt, hat den Ball auf seiner Seite des Spielfeldes, und da soll er auch bleiben! Umgib dich dann lieber mit Menschen, die selbst gern kreativ sind und dich mitziehen – zum Beispiel mit mir und den zauberhaft lebensklugen Lesern meines Blogs! 😉

Satz Nr.2: Du bist ja so begabt!

Hä? Wird die Frau Groka jetzt tüdelig? Gerade eben hat sie doch noch gesagt … Ich weiß, der erste und der zweite Satz klingen wie ein Widerspruch in sich. Lass mich das erklären. Viele Eltern wollen das Selbstvertrauen ihrer Kinder stärken und ihre Talente fördern. Wenn sie dabei allerdings über das Ziel hinaus schießen, nehmen sie ihrem Kind die Chance, ein realistisches Selbstbild zu entwickeln. Gerade viele Hochbegabte fallen an dem Punkt in eine tiefe Pfütze aus Frustration und Selbstzweifeln, wo sie merken: „Hey, ich habe ein Niveau erreicht, an dem mir nicht mehr alles zufliegt, ich muss mich hinsetzen und arbeiten, aber wie geht das?“ Blindwütiges Loben kann also Druck aufbauen und zu Frustration führen und die Kreativität ebenso hemmen wie ständige negative Kritiken.

Wenn du selbst Kinder hast, versuchst du sicher, die Mitte zu finden, wenn du ihre Talente stärken willst. Ich selbst habe da viel von meiner jüngeren Tochter gelernt, die ebenfalls mit Begeisterung zeichnet und es liebt, bei mir im Atelier zu sitzen und zu arbeiten. Und wie viele (junge) Künstler ist sie hochsensibel und reagiert natürlich empfindlich auf Kritik. Trotzdem unterstütze ich sie nicht, indem ich jede ihrer Zeichnungen lobe, ohne hinzusehen. Ich unterstütze sie, indem ich sie ernst nehme. Das tue ich zum Beispiel, indem ich ihr das Vertrauen entgegen bringe, mein heiliges und sauteures Material zu benutzen und ihr die Anleitungen organisiere, nach denen sie gerne arbeiten möchte. Und ich helfe ihr, ihre eigenen „Fehler“ zu akzeptieren, indem ich meine eigenen akzeptiere und sie um Rat frage, wenn mir ein Bild einfach nicht gelingt. Denn vier Augen sehen immer mehr als zwei. Dann darf ich sie auch mal vorsichtig darauf hinweisen, wenn bei einem ihrer Portraits ein Schattenwurf nicht stimmig ist! 😉

Was dir das jetzt bringt, wenn du selbst keine Kinder hast? Ganz einfach: Der Künstler in dir ist dein inneres Kind oder: Die Kreativität wohnt im Kinderzimmer der Seele! Wer da nie hin geht und sich mit Wachsmalern auf den Teppich setzt, malt dann eben auch seelenlose Bilder. Da kann die Technik noch so brillant sein. Und das bringt uns jetzt auf den dritten bösen Satz:

Satz Nr.3: Du hast das doch nicht gelernt, dir fehlt die Technik!

Besser kann man das Pferd gar nicht von hinten aufzäumen! Wenn du perfekt malen und zeichnen kannst, darfst du anfangen, kreativ zu sein? Das ist, als würde man sagen: Erst, wenn du richtig Fahrrad fahren kannst, darfst du dich mal draufsetzen und eine Runde fahren! Hä? Wie bitte soll das funktionieren?

Kreativität fängt IMMER in dir selbst an. Dafür brauchst du kein Material, keine Technik, kein Zertifikat. Alles, was du brauchst, sind Mut, Witz und Lust, es zu tun. Wie du deine Idee dann in die Wirklichkeit holst und sichtbar machst, ist Teil deiner Kreativität. Du kannst nicht malen wie Leonardo da Vinci oder van Gogh? Dann verrate ich dir ein wichtiges Geheimnis: Die können auch nicht so malen wie du! DEIN Bild kannst nur DU malen! Aber du kannst wirklich nur Strichmännchen? Wunderbar, du kannst deine Strichmännchen!

Und noch ein wichtiges Geheimnis: Ich weiß, es ist wirklich, und damit meine ich wirklich wirklich, schwer, den eigenen Perfektionsanspruch aufzugeben. Perfektionismus hat allerdings einen riesigen Haken: Je besser du in etwas wirst, umso höher wird dein Anspruch an dich selbst. Wenn du deinen Perfektionismus ans Ruder lässt, machst du dich selbst zu dem Esel, der der Möhre an der Angel hinterher läuft. Wenn du aber etwas einfach nur tust, weil es dich begeistert und du dich so herrlich dabei entspannen kannst, lernst du immer neue Techniken, ohne überhaupt zu merken, dass du gerade lernst!

Satz Nr.4: Kreativität liegt in den Genen, nur nicht in deinen!

Rrrrra! Dieser Satz regt mich so auf, das ich es kurz und schmerzlos mache: Bullshit! Jeder Mensch ist kreativ. Jeder. Sonst wäre unsere Spezies nämlich längst ausgestorben.

Satz Nr.5: „Aber mein Kunstlehrer hat damals gesagt … „

Diese Programmierung wollen wir mal ganz schnell überschreiben! Denn was dir wahrscheinlich noch nie jemand verraten hat: Unser Schulsystem und Kreativität sind ein einziger Widerspruch. Sinn der öffentlichen Schulbildung ist, dass alle die Chance haben, das gleiche zu lernen. Wo alle das gleiche lernen müssen, ist aber kaum Raum für kreative und individuelle Entfaltung. Auch für Kunst gibt es Lehrpläne und wenn du nun mal gerade einen Linolschnitt anfertigen musst, obwohl du doch viel lieber bei lauter Musik dein Motiv mit Händen und Füßen auf eine große Leinwand schmieren würdest, musst du dich eben hinsetzen und mit dieser brettharten scheiß Linolplatte und stumpfen Messern kämpfen, um das Ergebnis dann benoten zu lassen. Und dementspechend „unfrei“ sieht deine Arbeit dann auch aus.

Es gibt sicher viele engagierte Lehrer, die versuchen, den Lehrplan mit Leben zu füllen und ihren Schülern Freiheiten zu lassen. Aber auch diese Lehrer müssen die Technik bewerten – nicht die Idee. Es gibt aber auch Kunstlehrer, die mit Eifersucht auf die Ideen, die Fantasie oder sogar die Technik ihrer Schüler zu kämpfen haben. Ich hatte so ein Erlebnis, als wir Modezeichnungen als Hausaufgaben anfertigen sollten. Das fiel mir spätabends ein, nachdem ich mich bereits durch einen dicken Berg mit anderen Hausaufgaben durchgearbeitet hatte. Ich hatte echt keine Lust mehr, warf eben schnell ein paar Skizzen aus der freien Hand hin, damit ich irgendetwas habe, was ich abgeben kann, und ging ins Bett.

Am nächsten Tag explodierte meiner Kunstlehrerin der Kopf. Stinkwütend bekam sie einen sehenswerten Anfall und teilte mir dann kurz und knapp mit, dass ich für diesen Betrugsversuch jetzt eine 6 bekomme, die Zeichnungen könnten ja nie im Leben von mir sein. Nur, weil meine Mitschüler sich für mich ins Zeug legten und bestätigten, dass ich ständig solche Kritzeleien hinlege und ich mich hinsetzte und gleich die nächste Zeichnung machte, um mich gegen diesen ungerechten Vorwurf zu wehren, bekam ich dann eine „Gnadenvier“. Heute schlackere ich mit den Ohren, wenn ich an diese Geschichte denke. Ich kann es inzwischen sogar als pervertiertes Kompliment sehen.

Aber damals war ich jung, verletzlich und beeinflussbar und habe aus der schlechten Note nur die Botschaft mitgenommen, dass ich schlecht in Kunst bin. Also: Vergiss, was dein Kunstlehrer gesagt hat. Du hast keine Ahnung, gegen welche Dämonen er gekämpft hat, als er dich verrissen hat, aber mit dir hatte das wahrscheinlich wenig zu tun. Lehrer sind eben auch nur Menschen.

Satz Nr.6: Kunst ist nichts für vernünftige Menschen, mach doch was Anständiges!

Ja, dieser Satz verbirgt ein spannendes Thema. Wenn ein Künstler im Geld schwimmt, durch die Talkshows gereicht wird und es drauf hat, seine Allüren zu kultivieren, erstarren wir in Ehrfurcht. Oh, das ist der Herr Sowieso, der da, mit dem Künstlerhut und dem wehenden Schal! Ich gehe jede Wette ein, dass das Styling und Marketing eines Künstlers größeren Einfluss auf seine Preise haben als seine Arbeit selbst. So, wie Schriftsteller im schwarzen Rollkragenpullover eher als intellektuelle Autorität wahrgenommen werden und Ärzte im weißen Kittel Koryphäen sind.

Und jetzt kommst du. Wenn du malst, hast du so viel Spaß und Leidenschaft, am liebsten würdest du das den ganzen Tag machen! Du bist so völlig du selbst, wenn der Pinsel geschmeidig über die Leinwand gleitet, wenn du bis zu den Ohren mit buntem Pastellstaub bedeckt bist, wenn du so vertieft in deine Arbeit bist, dass du den Aquarellpinsel in deine Kaffeetasse tunkst, statt ins Pinselwasser, und dann auch noch verzückt feststellst, dass Kaffee auf Aquarellpapier total interessante Effekte erzielen kann!

Aber du willst Künstler werden? Und wovon willst du leben? Glaubst du, für das Gekleckse bezahlt dir jemand was? Und etwas, was nicht bezahlt wird, ist verschwendete Lebenszeit. Und überhaupt. Wo kommen wir denn hin, wenn du Spaß hast, dafür ist das Leben schließlich nicht da! Mach doch lieber erstmal die Banklehre, dann kannst du immer noch … blabla. Bla.

Satz Nr.7: Pah, du willst dich wohl selbst verwirklichen?!

Auf diese vernichtende Bremse stoßen seltsamerweise oft Frauen, und zwar immer dann, wenn sie auf die unverschämte Idee kommen, jetzt einfach mal nicht für alle anderen die Wäsche zu waschen, das Essen zu kochen, mit dem Hund raus zu gehen und im Business noch besser zu sein als jeder Mann. Diese Bremse ist besonders böse, weil sich dahinter ganz andere Fragen verbergen. Nämlich: „Und wer macht dann meine Wäsche?“/“Ja, wie, soll ich dann etwa mit dem Hund rausgehen? Guck doch mal: Es regnet!“ Oder auch: „Wie jetzt, und wer scheibt dann für mich meine Berichte? Der Chef wartet doch drauf!“ Dieser böse siebte Satz trifft dich unbewusst mit einem ganz bösen Vorwurf: Du Egoist!

Wer dich für deinen Wunsch nach Selbstverwirklichung verspottet, hat mindestens eine von zwei Ängsten. Entweder, er hat Angst, dich als (kostenlose) Arbeitskraft zu verlieren und sich fortan um seine eigenen Angelegenheiten selbst kümmern zu müssen. Oder er – in dem Fall auch oft sie – lebt selbst in dem traurigen Gefühl, immer nur für andere da sein zu müssen und missgönnt dir einfach die Freude. Mütter und Schwiegermütter können das besonders gut.

Du kannst dem spöttischen Vorwurf seine ganze Schärfe nehmen, indem du dich fragst, welches Bedürfnis wirklich dahinter steckt, und wie du es befriedigen kannst oder ob du das überhaupt möchtest. Vielleicht hat deine Schwiegermutter ja gar nichts mehr gegen deine künstlerischen Anwandlungen, wenn du sie einfach mal auf eine deiner Motiv-Entdeckungstouren mitnimmst und sie sich selbst den frischen Wind der Kreativität um die Nase wehen lässt?

Jippieh! Kann ich jetzt endlich anfangen zu malen?

Yes, you can! Schmeiß deine Bremsen im Kopf in den Sondermüll für Psychoabfälle und leg einfach los! Du kannst schmieren, kleckern, kritzeln, skizzieren, pinseln, kneten, fotografieren, basteln und sogar dabei summen! Und wir freuen uns riesig, wenn du die Ergebnisse deiner Kreativität mit uns teilst!

Was denn, du hast noch mehr Bremsen im Kopf? Dann berichte uns davon in den Kommentaren und teile uns auch mit, wie du deine ganz persönlichen Kreativitätsbremsen überlistest!

Mein erster Post im Kreativkick – WOW!

Pastell Cartoon Küste Urlaub

Frau Schmittenköttler und Waldemar – die Nasen im Wind

Liebe Freunde und Feinde, Künstler und Kollegen, Leser und Lustwandler!

Endlich ist es so weit – nachdem ich moooonatelang gegrübelt habe, wie der neue Blog meiner Träume aussehen könnte, hat es „plopp“ gemacht und ich wusste, was zu tun ist. Man sieht es diesem Blog (noch) nicht an, aber nachdem ich sieben Jahre lang einfach so vor mich hingebloggt habe, bin ich mit mir in Klausur gegangen, um heraus zu finden, was die „Großen“ der Branche eigentlich anders machen.

Ich wühlte mich also durch Vladislav Melniks Affenblog, abonnierte den Schreibsuchti Walter, verschlang alles, was Katharina Lewald auf Bloggen für schlaue Frauen erklärt und bestellte mir diverse eBooks zum Thema erfolgreich bloggen. Und ich muss sagen: Ich liebe diese Experten! Der Service ist grandios, wenn man in ganz kurzer Zeit ganz viel auffrischen oder neu lernen will. Ja, ich gestehe, ich gehöre zu den Abonnenten, die schon am eMail-Postfach lauern, wenn es Zeit ist für die neuen Artikel meiner Lieblingsblogger. Aber ich bin dann tatsächlich, ganz entgegen meiner Selbsteinschätzung, dass ich ja alt und weise bin, in die Falle getappt in die wohl alle tappen, die es mit dem Bloggen ernst meinen. Ich hatte irgendwann so viele Tipps im Kopf, dass ich mich überhaupt nicht mehr rühren konnte.

Also hab ich das gemacht, was ich immer mache, wenn ich feststecke und meine eigenen Gedanken anfangen, mir auf die Nerven zu gehen: Ich habe gemalt! Gezeichnet. Gepinselt. Skizziert. Gelacht und mich entspannt. Malen ist für mich einfach das geilste, was man tun kann, wenn der Kopf zu voll ist. Plötzlich ist das Gehirn mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Die Hände haben zu tun. Die Augen befassen sich nicht mehr mit leeren Pixeln auf Bildschirmen, sondern beginnen wie von selbst, überall nach Schönheit zu suchen. Nach Farben, Licht und Schatten. Wer malt, sieht die Welt einfach mit anderen Augen.

Dabei geht es überhaupt nicht darum, zu malen wie X oder Y, Perfektion zu erreichen, sich selbst zu vergleichen und zu „benoten“. Es geht darum, diesen grandiosen Flow zu erreichen, in dem du einfach nur malst und atmest. Alles andere wird unwichtig. Und wenn du dann wieder auftauchst – obwohl du gar keine Lust hast, weil du einfach weiter malen willst – dann strotzt du vor Energie. So wie ich jetzt, mit dem Start dieses perfekt unperfekten Blogs, mit dem ich mich nach der langen Brutphase selbst überrumpelt habe. DAS will ich machen! Plopp.

Und dieses geniale Gefühl will ich weitergeben. Auch, wenn es kitschig klingt: Ich glaube, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn wir Menschen endlich mal das Hamsterrad anhalten, aussteigen, schnüffeln, blinzeln und dann anfangen, die Welt neu und bunt zu gestalten. Dabei geht es für mich nicht darum, alles hinzuschmeißen und von Kunst leben zu wollen. Genau darum geht es nicht. Es geht darum, das zweckgerichtete Denken zu verlassen, sich nicht bei jedem Pinselstrich zu fragen: Wofür ist das gut? Was hab ich davon, das zu tun? Bringt das überhaupt was ein?

Solange wir so denken, macht es keinen Unterschied, ob wir den Flow jagen oder einen Floh – erwischen werden wir sie beide nicht. Ich bin für Leichtigkeit, Leidenschaft, Sinnfreiheit und Spaß am Tun – dann wird’s auch was mit der Kunst.

Was hat das jetzt alles mit dem Bild zum Post zu tun? Ganz einfach! Auf dem Bild sehen wir Frau Schmittenköttler und Waldemar, den dynamischen Dackelmischling. Die beiden sind Figuren, die seit Jahren immer wieder in meinen Cartoons und Bildern auftauchen. Einfach so. Nachdem Frau Schmittenköttler zwei Gatten totgepflegt hat (nacheinander – mit der freien Liebe hat sie es nicht so), hat sie Waldemar aufgenommen und reist nun mit ihm durch die Welt. Beide haben sich gedacht: Jetzt oder nie, jetzt sind wir mal dran! Und davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Frau Schmittenköttler und Waldemar werden uns – neben vielen anderen Figuren – durch diesen Blog begleiten und mit uns das Malen neu entdecken.

Also: Genieß das Leben und mal ein Bild!