Neues zum inneren Kritiker oder: Warum ich die „Kindle eBook Challenge“ nicht angenommen habe

Pastell tropisches Wasser

Frau Groka ist untergetaucht

Liebe Leser,

ich hätte nie gedacht, dass das Thema zum dritten Kreativen Freitag so viel bewegt und so interessante Diskussionen auslöst. Gemalt haben wir bisher diese Woche nicht viel, aber gelernt umso mehr! Das bestätigt mich mal wieder darin, dass Kreativität ein flauschig-bunter Schlüssel zur Seele ist, und auch darin, dass man nicht erst „einen an der Waffel“ haben muss, um einfach mal Pause zu machen, nachzudenken und liebevoll mit sich selbst umzugehen.

Und als ich das zum dritten Kreativen Freitag auch mal wieder gemacht habe, ist mir eine Erkenntnis über meinen ganz persönlichen inneren Kritiker gekommen, die ich so grandios finde, dass ein Bild mir nicht reicht, um sie euch mitzuteilen. Ich schreibe deshalb heute einen „Aufsatz“, um meine Gedanken mit euch zu teilen. Und das war so.

Letzte Woche irgendwann entdeckte ich im Netz, dass ein omnipräsenter Coach und ein Amazon-Bestseller-Autor zu einer eBook-Challenge aufgerufen haben. Die Aufgabe sollte darin bestehen, innerhalb eines Monats, also im März, einen Bestseller für das Amazon-Kindle-Programm zu schreiben. Da die Teilnahme kostenlos war (natürlich bis auf die Bitte um eifriges Teilen über sämtliche Social Media Kanäle, Verlinkung auf die eigene Seite, Einbindung eines Buttons etc.), trug ich mich erstmal als „interessiert“ ein, um die Sache näher in Augenschein zu nehmen. Zuerst interessierte mich die Challenge mehr als Marketing-Tool, um es bissig zu sagen: Ich wollte sehen, ob diese bekannten Coaches auch nur mit Wasser kochen.

Was sich dann mit den ersten eMails zur Challenge auch bestätigte. Wie finde ich mein Thema. Wie erstelle ich ein Inhaltsverzeichnis. Wie analysiere ich mit Hilfe der Amazonbestsellerlisten den Markt und meine Zielgruppe. Für mich sind das alles extrem alte Hüte, da ich schreibe, seit ich denken kann. Und dass ich in einem Monat ein Buch schreiben kann, muss ich mir auch nicht mehr beweisen. In meinen Jahren als Contentautorin hab ich einige Male in einem Drittel der Zeit ganze Ratgeber geschrieben.

Und trotzdem sprang etwas in mir an – nämlich der stinkende, alte Dieselmotor, der mir immer wieder sagt, dass ich mehr machen, schneller sein und mehr leisten muss. Dieses olle und längst völlig überholte Gerät hat mich schon mehrmals bis zum totalen Burnout getrieben, bis wirklich gar nichts mehr ging. Und dieser Motor setzte sich sprötzelnd und stinkend in Gang, um mich davon zu überzeugen, dass ich an dieser Challenge unbedingt teilnehmen muss.

Etwas anderes in mir sagte: Nö! Es setzte sich mit baumelnden Füßen auf eine sonnige Gartenmauer und schleckte ein Eis. Ich kenne dieses Etwas. Ich habe ihm den Namen „Das Schmürz“ gegeben, nach einem avantgardistischen Theaterstück von Jean Anouilh. Das Schmürz ist ein „Schreckenspopanz“, redet kein Wort, wird von der ganzen Familie nur geschlagen und treibt sie doch alle in den Wahnsinn. Dieses Schmürz ist mir so sympathisch, dass ich meine innere Notbremse danach benannt habe. Und es hat mir beigebracht, dass es von ganz alleine verhandlungsbereit ist, wenn ich mir eine andere entspannte Beschäftigung suche, bis es um die Ecke kommt.

Die Deadline, um sich endgültig als Teilnehmer für die Bestseller Challenge einzutragen, war der 8. März. Ich verbrachte also den 8. März nicht damit, wie eine Irre die Aufgaben für den Bestseller zu erledigen, sondern fegte die Terrasse, um sie frühlingsfein zu machen, zauberte mit meinen Töchtern einen „Internationaler-Frauentag-Apfelkuchen“ mit frischer Schlagsahne und malte das Beitragsbild von heute, einfach, weil die Farben mir so gefallen.

Plötzlich stand der innere Kritiker neben mir. „Das Schmürz will an dieser Challenge nicht teilnehmen, es sagt, die ist doof.“ „Hmhm“, sagte ich, „ich hab mir schon sowas gedacht.“ Mein innerer Kritiker fuhr fort: „Und überleg doch mal. Ein Buch in einem Monat. Da kann doch keine Qualität bei raus kommen. Musst du denn immer so viel Druck machen und alles auf einmal erledigen wollen?“

Ich fragte: „Hä?“, und fühlte meinem inneren Kritiker die Stirn. „Bist du es wirklich?“ Er rollte mit den Augen. „Frau Groka, ich bin nicht der Feind. Ja, ich habe die undankbare Aufgabe, Bedenken zu äußern, wenn ich dich vor einer Enttäuschung bewahren will, und manchmal liege ich dabei falsch. Aber es wäre wirklich hilfreich, wenn du mich mal ernst nehmen und mir zuhören würdest!“

Ich legte also die Pastellkreiden zur Seite und hörte meinem inneren Kritiker zu. Ich hatte erwartet, von ihm zu hören, dass ich faul, feige und blöd bin, wenn ich nicht schnell ein eBook auf den Markt werfe und mich der Herausforderung stelle. Stattdessen erinnerte er mich daran, dass ich dem Schmürz versprochen habe, mit ihm Gummitwist zu spielen, bevor ich wieder renne bis zum Umfallen und hinterher halbtot überm Zaun hänge. Und dann rückte er noch damit raus, dass das Schmürz auch gerne mal ein Buch schreiben würde. Über Spaß und Lebensfreude und Malen. Aber das kann es nicht, wenn einer guckt. Schon gar kein Erfolgscoach, der sich mit dicken Oberarmen im Golfershirt präsentiert und sagt: „Schlag mich doch, verkauf mehr Bücher als ich!“

Ich hab dann noch in Ruhe mein Wasserbild fertig gemalt und die schönen Farben genossen und dann bin ich rausgegangen zum Gummitwist spielen im Garten. Eigentlich ist mein innerer Kritiker doch ganz in Ordnung. 😀

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15 Gedanken zu “Neues zum inneren Kritiker oder: Warum ich die „Kindle eBook Challenge“ nicht angenommen habe

  1. Sehr guter Post! Tut immer wieder gut zu hören, dass es nicht nur O.K. ist, hin und wieder nein zu sagen und sich um sich selber zu kümmern statt ständig der nächsten challenge hinterherzuhetzen, sondern sogar gut und wichtig. Ich beneid dich akut sogar fast um deinen inneren Kritiker ^^ so was Intelligentes lässt meiner nie von sich hören. Und dein Sch… dingsbums (ich schreib am tablett und kann nicht nachgucken, ohne dass es mir meinen ganzen Kommentar wieder löscht…) ist super, sollt mir auch mal sowas zulegen (sprich meinem inneren „Schweinehund“ auch mal positive Seiten zugestehen ^^). Sehr inspirierend jedenfalls.

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  2. Das mit deinem inneren Kritiker hört sich stark nach dem Six Step Reframing aus dem NLP an. Die Challenge hatte ich auch gesehen und gleich wieder vergessen. Bei Blogparaden und Aktionen im Online Business weis man nie ob es was bringt oder schadet. Am Schluss wird man nur unter den gleichen Berufsgruppen gesehen. Also Coach sieht Coach, Food Blogger liest Kochrezept von anderem Food Blogger und erreicht nicht den Kochbuchkäufer der das Einkommen sichern könnte.

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    • Hallo Ralf, wie schön, dass du zu uns gefunden hast!

      Und dann noch mit gleich zwei interessanten Aspekten. Von diesem Six Step Reframing habe ich noch nie gehört, vielleicht auch, weil ich NLP für mich längst verworfen habe. Ich halte es eher mit KADBR, „Kommunikation aus dem Bauch raus“, wobei die gewaltfreie Kommunikation und eine gute Portion Achtsamkeit immer meine hilfreichsten Tools sind, im Umgang mit mir und mit anderen. Ich habe mich generell davon weg bewegt, bestimmten Schulen zu folgen, weil ich finde, dass wir eh schon alle viel zu verkopft sind und „an uns arbeiten“, anstatt uns wohl zu fühlen.

      Und den Gedanken zu dieser Bestseller-Challenge hatte ich auch. Es kam mir ein bisschen vor, wie diese eBook-Autoren-Gruppen auf Social Media Portalen, wo alle wild ihre Werbung posten, aber niemand geht da hin, um zu sehen, was es denn für neue eBooks gibt. Generell empfinde ich das Netz oft so, dass jeder gesehen werden will, aber niemand sieht die anderen!

      Auf der Seite dieser Coaches tummelten sich natürlich jede Menge Leute, die jetzt auch mal per eBook ein „passives Einkommen“ (ich weiß nicht, was am Schreiben passiv sein soll) und eine größere Reichweite erzielen wollen, aber da ich die Qualität der anderen Autoren nicht kenne, habe ich mich auch kurz gefragt, ob ich mit diesem Schwarm in Verbindung gebracht werden will. Ich bin eben vom Naturell her eher Schriftstellerin als Marketing-Fuchs. Ich finde, gute Texte müssen reifen.

      Liebe Grüße,

      Elisa

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  3. Hi, Nina!

    Wie schön, dass der Post deinen Nerv getroffen hat! Aber ich bin sicher, dass deine gesamte „innere Bande“ auch viele kluge Dinge sagen kann, man muss eben einfach nur mal aus dem Karussell aussteigen und in Ruhe zuhören!
    Und ich kann aus Erfahrung sagen: Etwas, was keinen Namen hat, gehört auch nicht zur Familie, aber wenn man seine „Persönlichkeitsinstanzen“, wie es in der Psychoanalyse heißt, mit Namen ansprechen kann, vereinfacht das die Kommunikation ungemein! 😀

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  4. Hallo Elisa aus irgendeinem Grund kann ich nichts abschicken was ich in den Kommentaren poste. Deshalb nochmal auf diesem Weg

    Wie froh ich bin das ich diesen, dieses Blog gefunden habe. Jeder Beitrag einfach nur gut. Die Kindle Challenge hatte ich mir auch angesehen, da ich die meisten dieser Blogs eine kleine Weile mitverfolgt hatte, weiss ich auch das alle nach dem gleichen Schema abgespult werden. Weil es ja soo erfolgreich ist, frisch aus Amerika. Da ich aber meistens amerikansche Blogs lese weiss ich auch dass nur erfolgreich abgekupfert wurde, ohne auf die Quellen zu verweisen. Jetzt habe ich heute doch gleich noch zwei weitere Blogs kennengelernt die erfrischend anders, und ehrlich sind. Ein guter Tag fuer mich ! Gruss Marion

    Am 9. März 2015 um 13:21 schrieb Schluss mit den Ausreden, jetzt wird

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    • Liebe Marion,

      wie schön, dass du da bist und aktiv mitredest! Wie interessant, dass sich in meinem Blog Menschen finden, die die Challenge NICHT angenommen haben! 😉
      Mir geht es ähnlich wie dir: Ich verfolge auch viele Blogs und habe immer öfter das Gefühl, dass gerade die, die über das „Marketing-Tool“ bloggen „So verkaufst du mit deiner eigenen Stimme“ alle mit der selben Stimme sprechen. Meines Wissens gibt es sogar ein Portal, wo man für amerikanische eBooks die Lizenz kaufen kann. Die werden dann durch die Übersetzungsmaschine gejagt und unter eigenem Namen veröffentlicht. So einfach kann Erfolg sein! 😉
      Umso erfrischender finde ich es, dass sich hier im Blog Freigeister finden, die lieber selbst kreativ werden!

      Liebe Grüße,

      Elisa

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  5. Liebe Elisa,

    ich freu mich sehr, was dein eigenes Thema mit dir gemacht hat 😆
    Gut gemacht ⭐

    Und wenn es nicht bereits wieder abgegriffen wäre, würde ich sagen: Eine win-win-Situation. Du startest die Initiviative Kreativer Freitag, andere profitieren und du selbst gleich mit.

    Als ich meiner Physiotherapeutin heute erzählt hab, wie ich über dein Thema dieser Woche die Kurve gekriegt hab, was es mit mir gemacht hat, sagte sie: Die Frau ist echt gut! Und ich sags dir gleich: Gegenstimmen von inneren Kritikern werden nicht angenommen.

    Dein Bild ist wunderschön. Sieht entspannend und beruhigend aus.

    Ich wünsch dir einen entspannten Abend!

    LG, Marion

    Gefällt 1 Person

  6. Mein innerer Kritiker heißt „Pflichtmännchen“ und hat mich auch zu weit getrieben. Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, dem kreativen, wohlmeinenden Kommentator einen Namen zu geben. „Schmürz“ passt wunderbar. Ich habe mit großem Vergnügen diesen Artikel gelesen. Gummitwist hab ich auch eeewig nicht mehr gespielt. Vielleicht fehlt mir ein Schmürz.
    Alles Liebe Monika

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  7. Hallo Elisa!

    Gehe ich recht in der Annahme, dass dieser omnipräsente Coach die Initialen MC hat? Ich beweg mich zwar nicht so häufig in diesem Bereich, da für meinen Geschmack die Sprüche dieser Coaches sowieso alle austauschbar sind, aber ich hab zumindest ein bisserl was davon mitbekommen :).

    Ich hab mittlerweile ein etwas gespaltenes Verhältnis zu solchen Challenges muss ich gestehen. Wenn man sowieso schon immer so etwas einmal ausprobieren wollte und eigentlich nur noch einen Schubs gebraucht hat, um damit zu starten, finde ich es in Ordnung. Aber ich denke, man kann sich damit auch bestimmt jede Menge Stress machen. Manch einer schreibt so wie du in der Hälfte der Zeit so ein Buch, manch einer braucht Jahre dafür. Daher halte ich Zeitvorgaben in diesem Zusammenhang eigentlich fast immer für kontraproduktiv …

    Liebe Grüße
    Gwendi

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    • Hallo Gwendi!

      Volltreffer, die Initialen stimmen, nur wie der beteiligte Autor heißt, habe ich ehrlich gesagt schon wieder vergessen! 😉 Gestern habe ich zufällig auf Facebook gesehen, dass wohl schon einige Teilnehmer frustriert aufgegeben haben. Da ich die Challenge noch per Mail vefolge, kann ich das auch gut nachvollziehen. Die neuste Aufgabe hieß vor ein paar Tagen: „Such dir einen Lektor!“ (nach finde dein Thema, checke den Markt, erstell dein Inhaltsverzeichnis und ähnlichem).

      Nur das eigentliche Schreiben war bisher nicht wirklich Thema. Was mich in Verbindung mit dem Lektorat stutzig machte. Was soll ich einem Lektor vorlegen, das Inhaltsverzeichnis? Und welcher seriöse Lektor kann so kurzfristig Kapazitäten freiräumen, um bis zum Ende des Monats ein (noch nicht geschriebenes) Buch eines unerfahrenen Anfängers veröffentlichnugsreif zu machen?

      Ich glaube, mein persönliches Problem bei dieser Challenge ist die Definition von „Buch“. Für mein Empfinden geht es dabei nicht um Bücher, sondern um praktische Gebrauchstexte, quasi ausführlichere Gebrauchsanleitungen. Dabei geht es um Texterhandwerk, nicht um kreatives Schreiben. Solche „Bücher“ habe ich auch schon an Auftraggeber verkauft, nach der Rechnung „Ein Buch = eine Monatsmiete“. An den Büchern, die ich unter meinem Namen veröffentlicht habe, habe ich jahrelang gearbeitet und von den Einnahmen kann ich mir in guten Monaten ein Eis kaufen, aber die habe ich als Autorin geschrieben, nicht als Texterin! 🙂

      Bücher, wie sie für diese Challenge gefragt sind, kann man inzwischen aber schon bei eBay kaufen, als Konvolut für 20 Euro, mit allen Rechten und Verkaufswebseite, da braucht man sich die Mühe mit dem Schreiben nicht mehr selber zu machen. 😉

      Kritisch sehe ich diese Challenge für alle, die erst begeistert auf den Zug aufspringen und dann feststellen, dass man weder die Arbeit als Texter noch die als Autor unterschätzen darf. Da werden einige mit dem Gefühl, „versagt“ zu haben, zurückbleiben und vielleicht nie wieder schreiben. Ich finde es schade, wenn kreatives Potenzial durch solche Erfahrungen einen Knacks bekommt.

      Liebe Grüße,

      Elisa

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