So entkräftigst du 7 böse Sätze, die deine Kreativität ausbremsen

Tai Chi Karikatur

Helmuts Tai Chi Lehrer hat ihm gesagt, dass er abnehmen muss und total ungelenkig sei. Erst war Helmut völlig niedergeschmettert. Er hatte sich doch zu dem Kurs angemeldet, um sich was Gutes zu tun! Dann hat er gedacht: Scheiss drauf! Jetzt genießt er seine Übungen nachts im Park. Und ist glücklich.

Liebe Leser,

hinter den Kulissen meines Blogs habe ich schon von einigen stillen Lesern gehört, dass sie ja auch gern mal beim Kreativen Freitag mitmachen würden, aber sie können leider nicht zeichnen. Sie sind eben nicht kreativ. Sie können sowas ja nicht. Außerdem sind die anderen Beiträge ja so gut, da sieht man dann ja doof aus, wenn man auch mal versucht, was zu malen … Ganz ehrlich? Wenn ich solche traurigen Äußerungen höre, möchte ich diese Menschen am liebsten einfach mal auf den Schoß nehmen, um sie zu trösten, und dann die Reset-Taste suchen. Denn jeder, wirklich jeder Mensch ist ein schöpferisches Wesen und könnte vor Kreativität sprudeln, wenn da diese bösen, alten Programmierungen nicht wären, die wir jetzt einfach mal gemeinsam aufdecken!

Viele Menschen widersprechen automatisch, wenn ich sage, dass jeder kreativ auf die Welt kommt. „Du vielleicht, ich ganz bestimmt nicht!“ Aber die Frage, was Kreativität eigentlich ist, stellen sich nur wenige, und wenn, dann sind es meistens Psychologen, die von Konzernen beauftragt werden, um herauszufinden, wie man kreative Mitarbeiter „herstellen“ kann. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden dann in „Psychologensprech“ übersetzt und darüber zu lesen ist so schwammig und langweilig, dass das Thema niemanden mehr interessiert – also so gar nicht kreativ.

Versuchen wir es also bei Wikipedia. „Kreativität ist allgemein die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, orginelles und beständiges Neues zu kreieren.“ Aha, und was bedeutet kreieren? Da muss ich jetzt lachen, denn der Duden klärt mich auf, dass „kreieren“ in der katholischen Kirche bedeutet, einen neuen Kardinal zu ernennen. Das ist witzig. „Hier, Kollege, zieh mal die rote Kutte an und setz den lustigen Hut auf!“Hm. Ich möchte natürlich keinem gläubigen Katholiken zu nahe treten, aber der Vatikan ist ja nicht unbedingt als Trendsetter bekannt, also schauen wir uns besser woanders nach Kreativität um. Mehr Aufschluss gibt uns der lateinische Ursprung des Wortes, denn kreieren bedeutet nichts anderes, als etwas zu erschaffen. In dem Moment, wo wir uns ein feines Butterbrot schmieren und mit Cocktailtomaten und einem Gürkchen ein Gesicht drauf setzen, sind wir schon kreativ. Denn damit erschaffen wir etwas neues und buntes, um mehr Freude in den Alltag zu bringen.

Wenn Kreativität so einfach ist, warum fällt sie dann gleichzeitig so schwer? Oder – um es deutlicher zu sagen – wieso fällt es uns so schwer, die eigene Kreativität zu erkennen und zu würdigen? Wieso sind wir so gehemmt darin, uns kreativ auszudrücken und uns damit dann auch noch zu zeigen? Weil wir alle mehr oder weniger oft negative Programmierungen gehört haben, die uns die Freude am Kreieren verdorben haben. Schauen wir uns jetzt die häufigsten Programmierungen einfach mal an!

Satz Nr.1: Du bist einfach nicht begabt!

Den Satz haben viele Menschen so oft gehört, dass sie ihn schon selbst nachplappern. „Ich bin ja völlig talentfrei, haha!“ Der Versuch, es mit Humor zu nehmen, ist natürlich schon mal ein Anfang, um Verletzungen von sich fern zu halten. Effektiver ist es aber, dich zu fragen, wer dir das überhaupt eingeredet hat, und warum. Es gibt Menschen, die ihre eigene Kreativität als etwas negatives und beängstigendes unterdrücken – denn wo kämen wir hin, wenn jeder hier fröhlich pfeifend ein Bild malt oder über die Straße tanzt. Da würde ja das Chaos ausbrechen! Diese Menschen äußern sich automatisch auch negativ über deine Kreativität.

Menschen, die selbst einen guten Kontakt zu ihrer eigenen Kreativität haben, würden dich niemals mit einer pauschalen Diagnose als unbegabt abtun. Wer seine eigene Kreativität liebt, entdeckt sie immer auch im Tun anderer und weiß Ideen neidlos zu würdigen. Und wer technisch schon versierter ist als du, kann dir konstruktive Kritik geben und dich damit helfend unterstützen, falls du deine Fähigkeiten verbessern willst. Aber wer dich schlecht macht und dein Selbstvertrauen knickt, hat den Ball auf seiner Seite des Spielfeldes, und da soll er auch bleiben! Umgib dich dann lieber mit Menschen, die selbst gern kreativ sind und dich mitziehen – zum Beispiel mit mir und den zauberhaft lebensklugen Lesern meines Blogs! 😉

Satz Nr.2: Du bist ja so begabt!

Hä? Wird die Frau Groka jetzt tüdelig? Gerade eben hat sie doch noch gesagt … Ich weiß, der erste und der zweite Satz klingen wie ein Widerspruch in sich. Lass mich das erklären. Viele Eltern wollen das Selbstvertrauen ihrer Kinder stärken und ihre Talente fördern. Wenn sie dabei allerdings über das Ziel hinaus schießen, nehmen sie ihrem Kind die Chance, ein realistisches Selbstbild zu entwickeln. Gerade viele Hochbegabte fallen an dem Punkt in eine tiefe Pfütze aus Frustration und Selbstzweifeln, wo sie merken: „Hey, ich habe ein Niveau erreicht, an dem mir nicht mehr alles zufliegt, ich muss mich hinsetzen und arbeiten, aber wie geht das?“ Blindwütiges Loben kann also Druck aufbauen und zu Frustration führen und die Kreativität ebenso hemmen wie ständige negative Kritiken.

Wenn du selbst Kinder hast, versuchst du sicher, die Mitte zu finden, wenn du ihre Talente stärken willst. Ich selbst habe da viel von meiner jüngeren Tochter gelernt, die ebenfalls mit Begeisterung zeichnet und es liebt, bei mir im Atelier zu sitzen und zu arbeiten. Und wie viele (junge) Künstler ist sie hochsensibel und reagiert natürlich empfindlich auf Kritik. Trotzdem unterstütze ich sie nicht, indem ich jede ihrer Zeichnungen lobe, ohne hinzusehen. Ich unterstütze sie, indem ich sie ernst nehme. Das tue ich zum Beispiel, indem ich ihr das Vertrauen entgegen bringe, mein heiliges und sauteures Material zu benutzen und ihr die Anleitungen organisiere, nach denen sie gerne arbeiten möchte. Und ich helfe ihr, ihre eigenen „Fehler“ zu akzeptieren, indem ich meine eigenen akzeptiere und sie um Rat frage, wenn mir ein Bild einfach nicht gelingt. Denn vier Augen sehen immer mehr als zwei. Dann darf ich sie auch mal vorsichtig darauf hinweisen, wenn bei einem ihrer Portraits ein Schattenwurf nicht stimmig ist! 😉

Was dir das jetzt bringt, wenn du selbst keine Kinder hast? Ganz einfach: Der Künstler in dir ist dein inneres Kind oder: Die Kreativität wohnt im Kinderzimmer der Seele! Wer da nie hin geht und sich mit Wachsmalern auf den Teppich setzt, malt dann eben auch seelenlose Bilder. Da kann die Technik noch so brillant sein. Und das bringt uns jetzt auf den dritten bösen Satz:

Satz Nr.3: Du hast das doch nicht gelernt, dir fehlt die Technik!

Besser kann man das Pferd gar nicht von hinten aufzäumen! Wenn du perfekt malen und zeichnen kannst, darfst du anfangen, kreativ zu sein? Das ist, als würde man sagen: Erst, wenn du richtig Fahrrad fahren kannst, darfst du dich mal draufsetzen und eine Runde fahren! Hä? Wie bitte soll das funktionieren?

Kreativität fängt IMMER in dir selbst an. Dafür brauchst du kein Material, keine Technik, kein Zertifikat. Alles, was du brauchst, sind Mut, Witz und Lust, es zu tun. Wie du deine Idee dann in die Wirklichkeit holst und sichtbar machst, ist Teil deiner Kreativität. Du kannst nicht malen wie Leonardo da Vinci oder van Gogh? Dann verrate ich dir ein wichtiges Geheimnis: Die können auch nicht so malen wie du! DEIN Bild kannst nur DU malen! Aber du kannst wirklich nur Strichmännchen? Wunderbar, du kannst deine Strichmännchen!

Und noch ein wichtiges Geheimnis: Ich weiß, es ist wirklich, und damit meine ich wirklich wirklich, schwer, den eigenen Perfektionsanspruch aufzugeben. Perfektionismus hat allerdings einen riesigen Haken: Je besser du in etwas wirst, umso höher wird dein Anspruch an dich selbst. Wenn du deinen Perfektionismus ans Ruder lässt, machst du dich selbst zu dem Esel, der der Möhre an der Angel hinterher läuft. Wenn du aber etwas einfach nur tust, weil es dich begeistert und du dich so herrlich dabei entspannen kannst, lernst du immer neue Techniken, ohne überhaupt zu merken, dass du gerade lernst!

Satz Nr.4: Kreativität liegt in den Genen, nur nicht in deinen!

Rrrrra! Dieser Satz regt mich so auf, das ich es kurz und schmerzlos mache: Bullshit! Jeder Mensch ist kreativ. Jeder. Sonst wäre unsere Spezies nämlich längst ausgestorben.

Satz Nr.5: „Aber mein Kunstlehrer hat damals gesagt … „

Diese Programmierung wollen wir mal ganz schnell überschreiben! Denn was dir wahrscheinlich noch nie jemand verraten hat: Unser Schulsystem und Kreativität sind ein einziger Widerspruch. Sinn der öffentlichen Schulbildung ist, dass alle die Chance haben, das gleiche zu lernen. Wo alle das gleiche lernen müssen, ist aber kaum Raum für kreative und individuelle Entfaltung. Auch für Kunst gibt es Lehrpläne und wenn du nun mal gerade einen Linolschnitt anfertigen musst, obwohl du doch viel lieber bei lauter Musik dein Motiv mit Händen und Füßen auf eine große Leinwand schmieren würdest, musst du dich eben hinsetzen und mit dieser brettharten scheiß Linolplatte und stumpfen Messern kämpfen, um das Ergebnis dann benoten zu lassen. Und dementspechend „unfrei“ sieht deine Arbeit dann auch aus.

Es gibt sicher viele engagierte Lehrer, die versuchen, den Lehrplan mit Leben zu füllen und ihren Schülern Freiheiten zu lassen. Aber auch diese Lehrer müssen die Technik bewerten – nicht die Idee. Es gibt aber auch Kunstlehrer, die mit Eifersucht auf die Ideen, die Fantasie oder sogar die Technik ihrer Schüler zu kämpfen haben. Ich hatte so ein Erlebnis, als wir Modezeichnungen als Hausaufgaben anfertigen sollten. Das fiel mir spätabends ein, nachdem ich mich bereits durch einen dicken Berg mit anderen Hausaufgaben durchgearbeitet hatte. Ich hatte echt keine Lust mehr, warf eben schnell ein paar Skizzen aus der freien Hand hin, damit ich irgendetwas habe, was ich abgeben kann, und ging ins Bett.

Am nächsten Tag explodierte meiner Kunstlehrerin der Kopf. Stinkwütend bekam sie einen sehenswerten Anfall und teilte mir dann kurz und knapp mit, dass ich für diesen Betrugsversuch jetzt eine 6 bekomme, die Zeichnungen könnten ja nie im Leben von mir sein. Nur, weil meine Mitschüler sich für mich ins Zeug legten und bestätigten, dass ich ständig solche Kritzeleien hinlege und ich mich hinsetzte und gleich die nächste Zeichnung machte, um mich gegen diesen ungerechten Vorwurf zu wehren, bekam ich dann eine „Gnadenvier“. Heute schlackere ich mit den Ohren, wenn ich an diese Geschichte denke. Ich kann es inzwischen sogar als pervertiertes Kompliment sehen.

Aber damals war ich jung, verletzlich und beeinflussbar und habe aus der schlechten Note nur die Botschaft mitgenommen, dass ich schlecht in Kunst bin. Also: Vergiss, was dein Kunstlehrer gesagt hat. Du hast keine Ahnung, gegen welche Dämonen er gekämpft hat, als er dich verrissen hat, aber mit dir hatte das wahrscheinlich wenig zu tun. Lehrer sind eben auch nur Menschen.

Satz Nr.6: Kunst ist nichts für vernünftige Menschen, mach doch was Anständiges!

Ja, dieser Satz verbirgt ein spannendes Thema. Wenn ein Künstler im Geld schwimmt, durch die Talkshows gereicht wird und es drauf hat, seine Allüren zu kultivieren, erstarren wir in Ehrfurcht. Oh, das ist der Herr Sowieso, der da, mit dem Künstlerhut und dem wehenden Schal! Ich gehe jede Wette ein, dass das Styling und Marketing eines Künstlers größeren Einfluss auf seine Preise haben als seine Arbeit selbst. So, wie Schriftsteller im schwarzen Rollkragenpullover eher als intellektuelle Autorität wahrgenommen werden und Ärzte im weißen Kittel Koryphäen sind.

Und jetzt kommst du. Wenn du malst, hast du so viel Spaß und Leidenschaft, am liebsten würdest du das den ganzen Tag machen! Du bist so völlig du selbst, wenn der Pinsel geschmeidig über die Leinwand gleitet, wenn du bis zu den Ohren mit buntem Pastellstaub bedeckt bist, wenn du so vertieft in deine Arbeit bist, dass du den Aquarellpinsel in deine Kaffeetasse tunkst, statt ins Pinselwasser, und dann auch noch verzückt feststellst, dass Kaffee auf Aquarellpapier total interessante Effekte erzielen kann!

Aber du willst Künstler werden? Und wovon willst du leben? Glaubst du, für das Gekleckse bezahlt dir jemand was? Und etwas, was nicht bezahlt wird, ist verschwendete Lebenszeit. Und überhaupt. Wo kommen wir denn hin, wenn du Spaß hast, dafür ist das Leben schließlich nicht da! Mach doch lieber erstmal die Banklehre, dann kannst du immer noch … blabla. Bla.

Satz Nr.7: Pah, du willst dich wohl selbst verwirklichen?!

Auf diese vernichtende Bremse stoßen seltsamerweise oft Frauen, und zwar immer dann, wenn sie auf die unverschämte Idee kommen, jetzt einfach mal nicht für alle anderen die Wäsche zu waschen, das Essen zu kochen, mit dem Hund raus zu gehen und im Business noch besser zu sein als jeder Mann. Diese Bremse ist besonders böse, weil sich dahinter ganz andere Fragen verbergen. Nämlich: „Und wer macht dann meine Wäsche?“/“Ja, wie, soll ich dann etwa mit dem Hund rausgehen? Guck doch mal: Es regnet!“ Oder auch: „Wie jetzt, und wer scheibt dann für mich meine Berichte? Der Chef wartet doch drauf!“ Dieser böse siebte Satz trifft dich unbewusst mit einem ganz bösen Vorwurf: Du Egoist!

Wer dich für deinen Wunsch nach Selbstverwirklichung verspottet, hat mindestens eine von zwei Ängsten. Entweder, er hat Angst, dich als (kostenlose) Arbeitskraft zu verlieren und sich fortan um seine eigenen Angelegenheiten selbst kümmern zu müssen. Oder er – in dem Fall auch oft sie – lebt selbst in dem traurigen Gefühl, immer nur für andere da sein zu müssen und missgönnt dir einfach die Freude. Mütter und Schwiegermütter können das besonders gut.

Du kannst dem spöttischen Vorwurf seine ganze Schärfe nehmen, indem du dich fragst, welches Bedürfnis wirklich dahinter steckt, und wie du es befriedigen kannst oder ob du das überhaupt möchtest. Vielleicht hat deine Schwiegermutter ja gar nichts mehr gegen deine künstlerischen Anwandlungen, wenn du sie einfach mal auf eine deiner Motiv-Entdeckungstouren mitnimmst und sie sich selbst den frischen Wind der Kreativität um die Nase wehen lässt?

Jippieh! Kann ich jetzt endlich anfangen zu malen?

Yes, you can! Schmeiß deine Bremsen im Kopf in den Sondermüll für Psychoabfälle und leg einfach los! Du kannst schmieren, kleckern, kritzeln, skizzieren, pinseln, kneten, fotografieren, basteln und sogar dabei summen! Und wir freuen uns riesig, wenn du die Ergebnisse deiner Kreativität mit uns teilst!

Was denn, du hast noch mehr Bremsen im Kopf? Dann berichte uns davon in den Kommentaren und teile uns auch mit, wie du deine ganz persönlichen Kreativitätsbremsen überlistest!

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21 Gedanken zu “So entkräftigst du 7 böse Sätze, die deine Kreativität ausbremsen

  1. Cool, gut geschrieben Elisa!!!
    Ich hab mich gerade gefragt, wieso wir (also die meisten) eigentlich mit zunehmendem Alter immer mehr vom „richtigen“ Leben wegkommen…. *grübel* Sollte doch irgendwie umgekehrt sein oder nicht?
    LG Iwan

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    • Hallo Iwan!

      Schön, dass dir der Artikel so gut gefällt! Und das ist wirklich eine interessante Frage. Vielleicht ist es ja so, dass wir uns mit zunehmender Lebenserfahrung immer weniger erzählen lassen, wie das „wahre Leben“ auszusehen hat und entscheiden das dann lieber selbst? Und – nicht, dass wir alle morgen ins Gras beißen werden – aber ich glaube, irgendwann die Erkenntnis zu haben, dass man nicht ewig da sein wird und nicht alle Pläne unendlich nach hinten verschieben kann, macht auch viel aus! 🙂

      Liebe Grüße,

      Elisa

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      • Tja, so hab ich das eigentlich nicht gemeint. Obwohl ich diesen Standpunkt bei mir natürlich auch sehe, dass es mir, je älter ich werde, immer egaler wird, was andere über mich denken. Und ich Sachen mache, weil sie mir wichtig sind. Das ist gut so.

        Ich meinte eher umgekehrt: Als Kind wissen wir doch ziemlich genau, wie wir zu leben hätten. Mit allem Zeit lassen. Im Moment leben ist das einzige was zählt. Zukunftsgedanken? Wozu?

        Und wenn man älter wird, wird man korrumpiert vom alltäglichen Wahnsinn. Dem Gedanken von Geld und Sicherheit. Ich hab mal ein Interview von jemandem gelesen, der glücklich mit seinem Job ist. Der sagte, er sei privilegiert, dass er so arbeiten dürfe, denn wenn man sich so umschauen würde, seien viell. 80 – 90 % mehr oder weniger unzufrieden. Und doch müssen diese Jobs auch gemacht werden…
        Klar, man hat natürlich mehr Verantwortung, aber auch mehr Angst als Erwachsener…. Als Kind ist man einfach wieder aufgestanden und hat’s wieder probiert.

        Als Jugendlicher denkst du dann, du wirst NIE wie deine Eltern. Um irgendwann Ähnlichkeiten zu deinem eigenen Vater festzustellen. Also so ergeht’s mir wenigstens. Manchmal wäre ich gerne unvernünftiger… 😉

        Liebe Grüsse zurück
        Iwan

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      • Ja, ich versteh, was du meinst. Ich glaube, man kann das Übel in ein Wort fassen: Erziehung! 😉
        Wenn du achtzehn Jahre lang hörst „Jetzt sei doch mal vernünftig!“, ist es schwer, sich in Ruhe selbst zu fragen, wie man „vernünftig“ für sich selber definieren möchte! Je unvernünftiger ich in den Augen unserer Elterngeneration werde, umso vernünftiger finde ich mich! 😀

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    • Hallo Myriade!

      Du hast natürlich Recht, Zeit ist ein Faktor. Ich glaube aber, das man diesen Faktor ganz gut aushebeln kann. Du zum Beispiel betreibst einen sehr schönen und hintergründigen Blog – bist also sehr wohl kreativ und investierst sicher auch viel Zeit dafür! Ich gebe zu, dass es manchmal an der Zeit hapert, größere Projekte in Angriff zu nehmen. Wenn ich ein Acrylbild in einem Rutsch malen will, weiß ich an bestimmten Tagen, dass ich gar nicht mit der Arbeit anzufangen brauche, weil ich die Arbeit eh ständig für Termine und anderes unterbrechen müsste.

      Aber das heißt ja nicht, dass ich nicht im Kopf kreativ sein kann! Mir sind sogar schon, wenn ich nach einem langen Tag noch die Mülltonne an die Straße gerollt habe, Cartoon-Ideen gekommen, über die ich laut gelacht habe. Und wenn ich dann erst drei Wochen später dazu komme, die erste Skizze für den Cartoon zu machen – Hauptsache ist doch, dass ich es tue! Kreativ sein kann man immer und überall!

      Liebe Grüße,

      Elisa

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  2. Huhu ihr Lieben,
    Elisa, wirklich ein ganz ganz toller Artikel, und ein wirklich Buchfüllendes Thema.

    Bei mir gab es, und man soll es kaum Glauben, eine riesige Kreativ-Bremse, und nö, das waren nicht meine Dreibeine hier 😉
    Ich habe Zeit meines Lebens irgendwie immer in Konkurrenz gestanden. Ich habe immer alles, was ich künstlerisch „geschaffen“ habe, verglichen, und natürlich gabt es dann immer einen Besseren 😉
    Ich habe früher immer versucht zu kopieren, nach zu malen, mich zu verändern, blablablubb.

    Erst als ich mich davon befreit, und meine Individualität gefeiert habe, habe ich zur kreativen Ruhe gefunden. Heute fröhne und genieße ich meine „Stillosigkeit“, was ich als „Hobby-Kleckserin“ ja auch darf, wird ja schon fast erwartet ;). Ich genieße jetzt das, was kreatives raus kommt, oder auch mal stecken bleibt, weil schlecht gekaut ^^

    Für mich ist der Vergleich mit Anderen der schlimmste Kreativ-Killer, den es gibt!!

    Liebe Grüße an alle^^

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  3. Hey, Kerstin!

    Jau, du triffst da einen wichtigen Nagel voll auf den Kopf! 🙂 Es gibt immer einen noch dickeren Fisch, immer jemanden, der es besser kann und immer eine Stimme aus dem Off, die in deinem Kopf sagt: Das sah auf der Vorlage aber besser aus!

    Besser, man hört gar nicht zu! Ich finde es toll, meinen eigenen Anspruch zu haben und immer neue Techniken auszuprobieren, aber ich hab es auch aufgegeben, mich mit Vergleichen selber klein zu machen.

    Neulich bin ich aber wieder drauf reingefallen. Ich sah ein Tutorial auf youtube für ein abstraktes Bild, das mich echt grandios angesprochen hat! Das wollte ich auch! Also fing ich an, alles GENAU SO zu machen wie der Vorturner im Video! Ich schmierte und kleckste und mein Bild wurde immer schlimmer. Buähähähääää, die gute Leinwand, was hast du dir dabei nur gedacht! Du weißt doch, dass du abstrakt nicht kannst, jetzt ist das ganze Material verschwendet!

    Dann ging ich in den Yoda-Modus und überlegte, was ich mir jetzt mal sagen könnte. Ich entschied mich für: „Viel zu lernen du hast, mein junger Padawan! Doch Vorsicht du walten lassen musst, wenn du versucht, die Bilder anderer Leute zu malen! Der Drang zu vergleichen ein Pfad zur dunklen Seite ist.“

    Danach ist das Bild dann eigentlich noch ganz schön geworden! 😀

    Liebe Grüße an dich und die Dreibeine,

    Elisa

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  4. Danke dir Elisa, für deine Leichtigkeit, mit der du Themen ansprichst, die uns (mich) manchmal beschweren.

    Ich würde mich sehr freuen, mich künftig beim kreativen Freitag von weiteren Individualisten umgeben zu sehen. Und ihr wisst ja alle, dass auch das eine Art Schimpfwort geworden ist, in einer ach so leistungsbetonten Gesellschaft. Individualisten? Sind doch alles Loser, oder?? 😉

    Ich freu mich auf euch ⭐

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    • Mensch, Marion, ist das schön! Ich komme gerade klitschnass geregnet und völlig durchgefroren von meinem Pastellkreiden-Dealer in der Stadt und finde so einen Kommentar. Jetzt ist mir gleich wieder warm! 🙂

      Vielen Dank dafür,

      Elisa

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      • Ach Elisa, das ist fein ⭐

        Ich war heute auch nicht grad sehr gut drauf Nachmittags nach Hause und las deinen Artikel. Da dachte ich bei mir – und jetzt sage ich es dir: Elisa, you made my day! 🐱

        Wünsch dir viel Spaß mit den Pastellkreiden 🙂

        Marion

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  5. Toller Artikel. Vor allem der Absatz über die Schule. Traurig, aber wahr. Ich kann auf Kommando gar nicht kreativ sein, aber wenn mich spontan so ein Kribbeln befällt… so ganz von innen… und dann eine Idee Form annimmt, und ich dann noch Zeit dafür finde…DAS ist ein super Gefühl. 🙂

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    • Hallo Schnipseltippse!

      Ich steh total auf deinen Namen, schön, dass du hier mitredest! Ich finde auch, Kreativität hat unheimlich viel mit Spontanität zu tun, vor allem auch mit Entspannung! Das geht einfach so schlecht, wenn da jemand mit dem Notenbüchlein hinter einem steht und drauf wartet, einen bewerten zu können! Für den nächsten Kreativen Freitag hab ich schon ein Thema in der Richtung ausgewählt, vielleicht überkommt dich ja dann das sagenhafte Kribbeln von innen und du bist dabei! 🙂

      Liebe Grüße,

      Elisa

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  6. Liebe Elisa!

    Bei deinem Text über das Schulsystem und dem Verständnis für Kunst und Kreativität musste ich unwillkürlich an das Buch denken, das ich gerade lese: „Hört auf zu arbeiten!“. Untertitel: „Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt“. Da geht es im zweiten Kapitel genau um dasselbe, dass unser Schulsystem uns eigentlich dazu anhält, unsere Kreativität aufzugeben. Sie haben da auch Zahlen drin: Als Fünfjährige sind die meisten von uns noch „hochkreativ“ (So war der Ausdruck im Buch, wenn ich mich richtig erinnere), während diese Quote dann rapide abnimmt, je länger wir die Schulbank drücken …

    Ich habe das als Erwachsene mehr oder weniger erst wieder erlernen müssen. Und ich glaube, wobei wir uns am meisten im Weg stehen, ist die Aussage: „Das geht nicht“ oder „Das können wir nicht“. So wie du sagst: Das ist Mist! Jeder ist auf seine eigene Weise kreativ. Ich habe meine kreative Ader beim Gestalten von Websites im Internet wieder entdeckt, ich sehe mich zwar nicht als perfekten Grafiker, aber darum geht es nicht, denn ein gutes Design besteht aus wesentlich mehr als aus ein paar schönen Grafiken, da geht es auch um Harmonie, um Farben, Typographie und solche Dinge. Aktuell arbeite ich gerade an einem Entwurf für Epluse (Die verkaufen technische Sensoren, guck mal unter dem Stichwort „Humidity Sensors“, wenn es dich interessiert). Also eigentlich etwas, wo man nicht unbedingt mit Kreativität rechnet, aber gerade deswegen hat es mich gereizt, diesen Auftrag anzunehmen – ich sehe das als Herausforderung für mich selbst beim Arbeiten :).

    Liebe Grüße
    Gwendi

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  7. Hallo Gwendi, wie schön, dass du zu unserer Diskussion beiträgst!

    Ja, unser Schulsytem gäbe genug Stoff für einen eigenen Blog her, oder besser die Kritik daran. Meine Töchter besuchen zur Zeit eine freie Schule, da ist zwar auch nicht alles rosig, aber es ist immerhin eine Alternative. Kennst du anti-uni.com von Ben Paul? Das hilft Schülern zwar nicht weiter, aber wenigstens denen, die es schon hinter sich haben! 😉

    Kaum einer weiß ja, dass unser Schulsystem immer noch auf dem preußischen Plan basiert, gute Fabrikarbeiter zu erziehen, die springen, wenn die Glocke schrillt und dann tun, was ihnen gesagt wird. Und das ist alles andere als kreativ …

    Umso schöner, dass du deine eigene Kreativität wieder entdeckt hast und einfach frei laufen lässt! Ich finde auch, Webdesign ist viel, viel mehr als Plugins installieren und Grafiken hochladen, da kann man sich hemmungslos austoben. Spannend daran finde ich auch, das richtige Design für die jeweilige Zielgruppe zu kreieren! Gerade bei so einem technischen Thema wie diesen Sensoren, wo ja auch das Bildmaterial erstmal nicht sooo der Hingucker ist, kommt die Fantasie da richtig wohlig ins Rappeln! 🙂

    Und übrigens: Wir freuen uns zum Kreativen Freitag auch immer über tolle Grafiken! 😀

    Liebe Grüße,

    Elisa

    Gefällt 1 Person

  8. Hallo Elisa!

    Nein, die Website kannte ich noch nicht, sieht aber interessant aus :). Werde mir das mal in Ruhe am Abend ansehen, was es damit auf sich hat.

    >> Kaum einer weiß ja, dass unser Schulsystem immer noch auf dem preußischen Plan basiert, gute Fabrikarbeiter zu erziehen, die springen, wenn die Glocke schrillt und dann tun, was ihnen gesagt wird. Und das ist alles andere als kreativ …<<

    Das sind fast dieselben Worte, die sie im Buch auch benutzen! Fabrik, meine ich. Hast du das Buch gelesen? Oder ist das ein gängiger Ausdruck, von dem ich bisher nichts gewusst habe?

    Ich hab gestern mal einen ersten Entwurf abgegeben, mal sehen, wie er ankommen wird.

    Danke auch für deine Einladung zum kreativen Freitag! Ich werd mir mal anschauen, was ihr bisher so gemacht habt und dann schauen, ob und was ich dazu beitragen kann :).

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      • Hallo Gwendi!

        Eigentlich war ich gerade auf dem Weg zum Maltisch, aber ich finde deinen Kommentar so interessant, das ich unbedingt noch antworten will! Ich hätte nie gedacht, dass in diesem Blog mit euch allen auch so tolle Diskussionen entstehen!

        Nun zu deiner Frage: Das Buch, dass du erwähnst, habe ich nicht gelesen, aber viele andere Bücher zum Thema Lernen und Schule. Ich bewege mich seit Jahren in der alternativen Schulszene und habe auch selbst schon an einer freien Schule gearbeitet, weiß also, welche Herausforderungen und Schwierigkeiten es mit sich bringt, unser Bild vom Lernen zu ändern.

        Und je intensiver man sich mit der Materie befasst, umso mehr erschütternde historische Fakten findet man, wie eben die Erziehung zum guten Arbeiter und Soldaten. Deutschland ist weltweit das einzige Land, in dem die Schulpflicht die Anwesenheit in einem als Schule ausgewiesenen Gebäude fordert. Wer dem nicht nachkommt, macht sich strafbar und muss damit rechnen, dass das Jugendamt die Kinder aus der Familie nimmt. Ich habe Familien kennengelernt, die ausgewandert sind, um über die Bildung ihrer Kinder freier entscheiden zu können.

        Dieses deutsche Gesetz stammt übrigens aus dem Dritten Reich. Aus der Sicht eines totalitären Regimes ist es natürlich der beste Weg, möglichst früh Kontrolle auszuüben und die eigene Ideologie in die Köpfe zu pflanzen. Aber ist das noch zeitgemäß? Österreich zum Beispiel hat da eine viel freiere Lösung. Dort können Familien die Bildung ihrer Kinder selbst organisieren, solange diese regelmäßig Prüfungen ablegen, um den Bildungsstandard zu sichern.

        Wenn das Thema dich interessiert, kann ich dir das Teenagerbefreiungshandbuch von Grace Llewellyn empfehlen. Ich hab es als Mutter zur Hand genommen und als Mensch gelesen! 😉

        Wirklich, man ist NIE zu alt, um die eigene Bildung selbst in die Hand zu nehmen und das eigene Potenzial zu entfalten – ohne Noten und Abschlüsse, sondern einfach, weil es so gut tut, sich zu entfalten.

        In diesem Sinne,

        kreative Grüße,

        Elisa

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  9. Pingback: Der 3. Kreative Freitag: Ich kann nicht, wenn einer guckt! | Schluss mit den Ausreden, jetzt wird gemalt!

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